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Nennung der Bundesländer

Im Schuljahr 2010/2011 können für 12 Bundesländer Angaben über Fremdsprachenlernen ab Jahrgangsstufe 1 gemacht werden. Es sind dies: Baden-Württemberg,  Berlin, Land Brandenburg, Hansestadt Hamburg, Hansestadt Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland,  Freistaat Sachsen,  Land Sachsen-Anhalt  und  der  Freistaat Thüringen.  

Anzahl der Grundschulen pro Bundesland

Seit Schuljahr 2010/2011 bieten fünf Bundesländer Fremdsprachenunterricht ab Klasse 1 flächendeckend an, also für alle Erst- und Zweitklässler ihrer Grundschulen. Es sind dies die Länder: Baden-Württemberg, Land Brandenburg,  Nordrhein-Westfalen,  Rheinland-Pfalz  und  die Hansestadt Hamburg.

Baden-Württemberg etablierte Fremdsprachenunterricht als erstes Bundesland an allen seinen rund 2.500 Grundschulen 2003/2004. Diese Vorreiterrolle teilt es allerdings mit dem Land Brandenburg.

Das Land Brandenburg stellte Fremdsprachenlernen ab Jahrgangsstufe 1 an seinen 486 Grundschulen ebenfalls im Schuljahr 2003/2004 flächendeckend sicher.

Rheinland-Pfalz führte Fremdsprachenunterricht ab Klasse 1 an seinen 470 Grundschulen im Schuljahr 2005/2006 flächendeckend ein.
Außerdem gibt es 13 Grundschulen mit bilingual unterrichteten Klassenzügen, die in ein Netzwerk des Ministeriums eingebunden sind, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. 

Nordrhein-Westfalen,  das zahlenmäßig größte Bundesland, führte  Fremdsprachenunterricht ab Klasse 1 an seinen rund 3.600 Grundschulen im Schuljahr 2008/2009  flächendeckend ein - allerdings, wie bei Neuerungen in NRW üblich, erst ab dem zweiten Halbjahr.

Seit dem Schuljahr 2010/2011 bietet auch die Hansestadt Hamburg Fremdsprachenlernen ab Klasse 1 flächendeckend an und ist somit das fünfte Bundesland in meiner SYNOPSE, das dieses Ziel nach jahrelanger, schrittweiser Ausweitung der Grundschulen und umsichtiger Weiterqualifizierung seiner Lehrkräfte  erreicht hat.
Abgesehen davon werden  an sechs Hamburger Grundschulen mehrere Fremdsprachen ab Klasse 1 bilingual und an fünf weiteren Schulen eine Fremdsprache in einzelnen Klassen immersiv angeboten. 


Die sieben weiteren Bundesländer meiner SYNOPSE bieten Fremdsprachenlernen ab Klasse 1 mit dem Status „Schulversuch“, “Modellversuch“ oder einer anderen, länderspezifischen Bezeichnung und in zahlenmäßig z. T. sehr unterschiedlichem Umfang an.


Die Hansestadt Bremen ermöglicht im Schuljahr 2010/2011 Fremdsprachenlernen ab Klasse 1 an zwei Grundschulen.

Hessen hat in diesem Schuljahr einen neuen Schulversuch „Englisch ab Klasse 1“ an vier Grundschulen der Stadt Frankfurt am Main begonnen. Er wird von Prof. Dr. Legutke, Universität Gießen, wissenschaftlich begleitet und soll den Aspekt des Übergangs in die weiterführenden Schulen und den Beginn der 2. Fremdsprache in der Sekundarstufe 1 im Blickfeld haben.
Nach wie vor gibt es in Hessen ferner Englischunterricht ab Klasse 1 an mehreren Grundschulen im Raume Gladenbach und Umgebung. Er wird dort -nach Jahren der Erprobung als Schulversuch- seit 2001/2002 mit dem Status „Regel-Einrichtung“ 45 Minuten pro Woche erteilt.
Daneben gibt es in Frankfurt am Main nach wie vor vier Grundschulen mit bilingualem Angebot (2 mit deutsch/italienisch und je eine mit deutsch/französisch  und  deutsch/ spanisch).

Im Saarland wird „Französisch ab Klasse 1“ als Modellversuch an 39 Grundschulen unterrichtet. Das ist in diesem kleinen Bundesland bereits ein Viertel aller Grundschulen des Landes. Mit Blick auf eine Ausweitung des Angebots auf andere Grundschulen finden begleitende Lehrerfortbildungen statt.
Verschiedene Arbeitsgruppen sind außerdem damit betraut, neue Handreichungen für Französischunterricht ab Klasse 1 zu erstellen.
An vier Standorten gibt es im Saarland ferner bilinguale Klassen der Jahrgangsstufen 1-4. Hier haben die Kinder jeweils zehnstündig Französischunterricht und Sachunterricht, Musik, Sport, Kunst auf Französisch.

Der Freistaat Thüringen setzt seinen im Schuljahr 2008/2009 begonnenen Schulversuch „Englisch ab Klasse 1“ an den 37 ausgewählten Grundschulen fort, wissenschaftlich betreut durch das Landesinstitut THILLM.
Da das Interesse am frühen Fremdsprachenerwerb seitens der thüringischen Eltern sehr groß ist, bieten viele Schulen Englisch ab Klasse 1 im Rahmen der „Ergänzungsstunden“ an. Damit dies aber für alle Schüler gleichermaßen angeboten wird, erarbeiteten die Thüringer Fachberater inzwischen eine Argumentationsrichtlinie, die über die Staatlichen Schulämter an alle Schulleiter Thüringens weitergereicht wurde.
Außerdem hat das THILLM eine neue, 50 Stunden umfassende  Maßnahme zur Weiterqualifizierung von Lehrkräften für Englischunterricht ab Klasse 1 gestartet. Sie ist in einen Grund- und einen Aufbaukurs aufgeteilt. Der Grundkurs hat bereits im September 2010 stattgefunden, der Aufbaukurs ist für Herbst 2011 oder Frühjahr 2012 vorgesehen.

Im Freistaat Sachsen werden Fremdsprachen an 22 Grundschulen in dem Versuch „Intensives Sprachenlernen“ (ISL) ab Jahrgangsstufe 1 angeboten.
Außerhalb dieses offiziellen Projekts gibt es eine große Anzahl von Grundschulen, die Fremdsprachen von sich aus entweder ab Klasse 1 in Arbeitsgemeinschaften (AGs) oder ab Klasse 2 in Fremdsprachen-AGs anbieten. Dies belegt das enorme Interesse der Eltern und Lehrkräfte  an einem  bereits vor dem 3. Schuljahr beginnenden Fremdsprachenunterricht.

Im Land Sachsen-Anhalt wird Fremdsprachenlernen ab Jahrgangsstufe 1 an rund 30% aller Grundschulen angeboten. Es gibt inzwischen umfangreiche Aktivitäten innerhalb der staatlichen Fortbildung im Land Sachsen-Anhalt, die seitens des Landesinstituts (LISA) sowohl für   Fachmoderatoren als auch für Grundschullehrkräfte konzipiert, organisiert und gestaltet werden, um sicherzustellen, dass Englisch sprachlich und didaktisch-methodisch qualifiziert unterrichtet wird:
In Zusammenarbeit mit International Study programmes führte das LISA 2009 einen Sommerkurs in Schottland durch, der aus Mitteln des Europäischen Strukturfonds, des Landes Sachsen-Anhalt und einem Eigenanteil der Teilnehmer/innen finanziert und in nachfolgenden Kursen am LISA vertieft wurde. Im Sommer 2010 fand für die Fachmoderatoren ein weiterer Kurs mit Schwerpunkt Sprachpraxis in Irland statt, und für Frühjahr 2011 ist ein dritter geplant, in dem „performance related learning in mixed age and mixed ability groups“ thematisiert  wird, d. h. Erarbeitung von Beispielen, die in der flexiblen Schuleingangsphase und darüber hinaus im Englischunterricht der Grundschule genutzt werden können.
Zur Erlangung einer  Unterrichtserlaubnis für Englisch an Grundschulen gibt es seit 2001 sog. „Weiterbildungskurse“, die mindestens 200 Stunden umfassen und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Hinzu kommen fremdsprachliche Kurse, die je nach Sprachkompetenz zwischen 150 und 450 Stunden umfassen. 
Außerdem werden berufsbegleitende „Fortbildungskurse“  vom LISA angeboten, entweder als Nachmittags-, Tages- oder Halbwochenkurse sowie „Ferienkurse“ im In- und Ausland. Bisher haben mehr als 800 Lehrkräfte die Prüfungen abgelegt und erfolgreich bestanden.
Abgesehen von diesen vielfältigen Angeboten des LISA werden Englischlehrer für die Jahrgangsstufen 1-4 inzwischen auch an der Martin-Luther-Universität Halle ausgebildet; sie werden nach Abschluss ihres Studiums in den Schuldienst übernommen.  

In Berlin gibt es an den staatlichen Grundschulen keine Versuche mit Fremdsprachen ab Jahrgangsstufe 1. Vielmehr werden Fremdsprachen ab Klasse 1 ausschließlich an inzwischen 18 „Staatlichen Europa-Schulen Berlin“ (SESB) angeboten.

 

© "Kinder lernen europäische Sprachen" - Prof. Dr. Gundi Gompf (Hrsgn.)
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